Gute Unternehmenskultur bringt gute Kundenkultur - Swissmem Academy

Gute Unternehmenskultur bringt gute Kundenkultur

Von: Daniel Schweizer, Bildungsmanager Swissmem Academy

13.05.19

In einer Unternehmenskultur, wo sich die Mitarbeitenden selbstverantwortlich einbringen dürfen, wird Tür und Tor für die Kreativität geöffnet. Die Zusammenarbeit gewinnt an Qualität und dadurch wird das Potential der Mitarbeitenden in der gesamten Firma gesteigert.

In der Vergangenheit investierten Unternehmer Zeit und Energie in die Optimierung ihrer Prozesse und Abläufe. Im Fokus stand die Effizienzsteigerung. In der Schweiz haben es zahlreiche Unternehmen zur Weltspitze geschafft. Die Studie ‘Digitale Transformation KMU Schweiz’ vom November 2017 bestätigt, dass 82% der Studienteilnehmenden als Treiber der Digitalen Transformation die effizienteren Prozesse sehen.

 

Ein interessanter Fakt der Digitalisierung ist, dass zunehmend die Technik die Prozesssteuerung bzw. –kontrolle übernimmt. Wo Manager früher die technischen Abläufe koordinierten und führten, werden diese Aufgaben von Maschinen erledigt.

 

Gefragt sind Menschen, die führen können, Menschen, die einen Blick für’s Ganze haben, die kreativ Denken können. Dies führt uns zur Frage: Was kommt nach der Fokussierung auf die Prozess-Effizienz? Wir sind überzeugt, dass ein Teil der Antwort die bewusste Investition in die Firmenkultur ist. Rund 70% erwähnten in der oben erwähnten Studie, dass die digitale Transformation Einfluss auf die Unternehmenskultur habe. Es braucht deshalb Leute, die Empathie, Teamorientierung, Selbstkontrolle und Verantwortungsbewusstsein mitbringen. (Anders Indset; HR Today 5/2019)

 

Oft fällt es uns leichter, über die Hard Facts wie Prozesse, Zeiteinheiten und Stückzahlen zu sprechen als über die Unternehmenskultur. Die Definition bzw. Beschreibung der Unternehmenskultur ist kaum greifbar, weil das Verhalten, Fühlen und Denken der Mitarbeitenden die Kultur ausmacht. Eine Firmenkultur zeigt sich an den gemeinsamen Werten und Normen, die im Alltag gelebt werden.

 

Folgende Überlegungen unterstützen Firmen darin, ihre Unternehmenskultur aktiv zu gestalten:

  1. Die Arbeit an der Unternehmenskultur ist ein laufender Prozess, der nie fertig ist. Führungskräfte hören nie auf, in die Unternehmenskultur zu investieren, weil Höchstleistungen in einem guten Unternehmensklima erreicht werden.
  2. Die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens hängt heute entscheidend von der Art und Weise der Zusammenarbeit der einzelnen Teams und Mitarbeitenden ab. Es braucht Führungskräfte, die bereit sind, die Menschen in ihrem Unternehmen zur Zusammenarbeit zu befragen. Wer sich ehrlich mit den Resultaten auseinandersetzt und Massnahmen umsetzt, der steigert das Potential der gesamten Firma.
  3. Der Wirtschaftsphilosoph Anders Indset erklärt in einem Interview mit der Zeitschrift HR-Today (5/2019), dass es Mut brauche, an der Unternehmenskultur zu arbeiten. Indset sagt, es handle sich um eine neue Art von Leadership: «Führungskräfte verstehen, dass die sogenannten ‘Soft Skills’ eigentlich die ‘Hard Skills’ sind. Rollen und Hierarchen verändern sich oder verschwinden sogar». Führungskräfte sind als ganze Person gefordert: Wenn die Definition über die Position in der Hierarchie mehr und mehr zerfällt, geht es um Persönlichkeit, Verhalten und Charakter. Wer loslassen kann und bereit ist, sich selber immer wieder zu reflektieren, trägt zur Förderung der Unternehmenskultur bei.
  4. Wesentlich wird die Unternehmenskultur durch Kommunikation gestaltet und getragen. Jede Person in der Unternehmung trägt die Verantwortung für die Kommunikation. Dazu schreibt der jüdische Philosoph Martin Buber: «Echte Verantwortung gibt es nur, wo es wirkliches Antworten gibt. Antworten worauf? Auf das was, einem widerfährt, was man zu sehen, zu hören und zu spüren bekommt». Wenn wir in der Unternehmung aufmerksam und mutig zur Sprache bringen, was wir sehen, hören und spüren, tragen wir aktiv zur Gestaltung der Unternehmenskultur bei.

 

Fazit

In einer Unternehmenskultur, wo sich die Mitarbeitenden selbstverantwortlich einbringen dürfen, wird Tür und Tor für die Kreativität geöffnet. Die Zusammenarbeit gewinnt an Qualität und dadurch wird das Potential der Mitarbeitenden in der gesamten Firma gesteigert. Noch etwas: Bei der Beschäftigung mit der Unternehmenskultur besteht die Gefahr, dass wir den Kernauftrag aus dem Auge verlieren. Es muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass es bei der Arbeit an der Unternehmenskultur schlussendlich um die ‘Kundenkultur’ geht. Dort, wo Mitarbeitende gut intern zusammenarbeiten, dort setzen sie sich für gute Kundenlösungen ein.