Mit alten Rezepten die Zukunft gestalten? - Swissmem Academy

Mit alten Rezepten die Zukunft gestalten?

20.09.18

Der Terminus «Digitale Transformation» beschreibt einen Veränderungsprozess, der Individuen, die gesamte Gesellschaft und in wirtschaftlicher Hinsicht speziell Unternehmen betrifft. Treiber dieses Prozesses sind die digitalen Technologien und die daraus entstehenden Verwertungspotenziale, die digitalen Geschäftsmodelle.

Dieser Prozess wird sich weiter beschleunigen und schafft eine Vielzahl an Herausforderungen. In der VUCA Welt benötigen Fachkräfte andere, neue Kompetenzen als bisher. Deloitte verfasste 2017 eine Studie um herauszufinden welche Schlüsselkompetenzen im digitalen Zeitalter gebraucht werden. Als wichtigste Schlüsselkompetenz der Zukunft identifiziert die Studie «Komplexe Problemlösungsfertigkeiten». (Zobrist, Luc et al, 2017, S.11).

 

Hans Bauer beschreibt in seinem Buch «Lern(prozess)begleitung in der Ausbildung» (Bauer, Hans et al, 2010, S. 123), wie Kompetenzentwicklung zu fördern sei. «Vielmehr gilt es, die Fähigkeiten des Lernenden zur selbstständigen, kreativen Problemlösung zu entwickeln, und das gelingt nur, wenn man ihn im Sinne des entdeckenden Lernens Probleme selbständig und kreativ lösen lässt.» Diese vermeintlich moderne Lehr- bzw. Lernauffassung ist so neu aber nicht. Bereits Platon (428-348 v.Ch.) beschreibt im Buch «Theaitetos», dass der Lehrer niemals belehrend, also besserwisserisch sein soll, sondern er im Gegenteil unwissend sei. Er unterstütze hingegen Lernende bei deren eigenen Lernbemühungen. Der Lernende handelt aus eigenem Antrieb bei der Suche nach Lösungen und Erkenntnissen.

 

Um die wichtigste zukünftige Schlüsselkompetenz zu entwickeln, ist ein Lehr- und Lernverständnis gefordert, welches endeckendes, kreatives Lernen ermöglicht. Dies gilt im Übrigen auch für alle anderen Kompetenzen. Platons Erkenntnis und seine Lehrmethode sind, obwohl schon über zweitausend Jahre alt, erstaunlich aktuell und zukunftsgerichtet, und in der Erziehungswissenschaft auch wissenschaftlich belegt. Die Titelfrage lässt sich somit mit ja beantworten.


Swissmem Academy lebt dieses Bildungsverständnis und bildet unter anderem die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner danach aus.

 

Autor:

 

Roland Zimmermann
Swissmem Academy

 

Literatur:

Bauer, Hans et al, (2010). Lern(prozess)begleitung in der Ausbildung, wie man Lernende begleiten und Lernprozesse gestalten kann. Bielefeld. Bertelsmann

 

Zobrist, Luc et al (2017): Welche Schlüsselkompetenzen braucht es im digitalen Zeitalter? Auswirkungen der Automatisierung auf die Mitarbeiter, die Unternehmen und das Bildungssystem. Zürich. Deloitte.