Modernes Workplace Learning – Wie digital ist die Bildung der Zukunft? - Swissmem Academy

Modernes Workplace Learning – Wie digital ist die Bildung der Zukunft?

Von: Matthias Puschert, Bildungsmanager Swissmem Academy

27.11.18

Beim Swissmem Industrietag 2018 im Hallenstadion Zürich prägte Joe Kaeser (CEO der Siemens AG) im Rahmen seiner Key Note den Satz: «Digitalisierung eliminiert die Mittelmäßigkeit.» Der digitale Tornado weht den meisten Firmen mehr oder weniger stark ins Gesicht, was ihre Organisation sowie die darin befindlichen Menschen in Bewegung versetzt.

Bewegung an sich ist das Kernthema bei allem was mit Industrie 4.0, Digitalisierung und Agilität zu tun hat. Immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, mit passgenauen und hochindividualisierten Angeboten Kunden begeistern und sich dabei im globalen Wettbewerb durchsetzen. Nur wer hier die Nase vorne hat, wird langfristig auch überleben können, wenn der digitale Tornado wirklich über ihn hinwegfegt.

 

Doch was heißt das für die Aus- und Weiterbildung? Welche Angebote und welchen Rahmen müssen Organisationen bieten und was heißt dies für Führungskräfte, Fachexperten und Mitarbeitende? Ist die damit verbundene neue Art des Lernens für alle Zielgruppen (von niedrig- bis hochqualifiziert) geeignet? Oder wird auch hier evtl. Mittelmäßigkeit eliminiert?

 

Modernes Workplace Learning sollte auf diese Frage eine Antwort geben können, um Organisationen wettbewerbsfähig zu machen – nicht nur um attraktiv für ihre Kunden zu sein, sondern auch um sich im «war for talents» gegen Mitbewerber durchzusetzen – sowie den Lernenden einen angemessenen Ermöglichungsrahmen anzubieten um sie nachhaltig mit den nötigen Kompetenzen auszustatten. Das Modell des Workplace Learning ist bei Weitem nicht neu, bezieht es ich doch auf das seit mehreren Jahren propagierte 70-20-10-Modell, nach dem 10% durch strukturiere Formate, 20% durch den Austausch mit Anderen und 70% durch direkt am Arbeitsplatz gemachte Erfahrungen und Anwendungen gelernt wird. Damit ergibt sich jedoch ein weiterer Bereich den Mitarbeiter ausbalancieren müssen, denn «Lernen wird zum Bestandteil der Arbeit» (Graf, 2017). Es geht also nicht mehr nur um eine gesunde Work-Life-Balance zur eigenen Gesunderhaltung sondern auch um ein ausgewogenes Verhältnis von Lernen und Arbeiten direkt im Tagesgeschäft, um zukünftig die nötigen Kompetenzen zu haben seine Aufgaben langfristig meistern zu können. Lernen wird damit zu einer «Schlüsselkompetenz in der agilen VUCA-Wirtschaft, (um) Komplexität, Widersprüchlichkeit etc. professionell, d.h. flexibel, handhaben zu können» (Graf, 2017). Sowohl Führungskräfte als auch die Organisationen selbst sind hier gefragt, den Rahmen zu schaffen und die Freiheit zu geben, dass Lernen überhaupt möglich ist.

 

Agiles Lernen im Sinne der Digitalisierung bedeutet in logischer Konsequenz aber auch, dass kein Wissen mehr auf Halde aufgebaut wird. Grundsätzlich klingt dies effizient und zielgerichtet, doch gehen hierbei ggf. Metakompetenzen – wie bspw. Problemlösefähigkeiten, Logisches Denken und Selbstorganisation – verloren, die in der klassischen Aus- und Weiterbildung noch (mit-)vermittelt werden. Beide Hauptakteure des Lernens – sowohl Lehrende als auch Lernende – müssen allerdings umdenken. Lehrende sind nicht länger die Inhaber des Wissens sondern werden zum Lernberater und –begleiter, während Lernende nicht mehr nur Empfänger und Nachvollzieher sein können sondern sich aktiv als angeleitete Selbstlerner am Prozess beteiligen müssen (Arnold, 2013). Selbstreflektion, Selbstmanagement und Selbstführung werden auch hier die zentralen Erfolgskriterien sein, den zukünftigen Herausforderungen erfolgreich entgegen zu treten.

 

Als dritte Säule – neben den passenden Rahmenbedingungen in Organisationen und dem Engagement der Lerner – braucht es noch passende Angebote seitens der Bildungsanbieter. Auch hier wird in Zukunft digitalisiert werden, was digitalisiert werden kann. Der Wandel zu einem Lernen 4.0 lässt sich gut anhand des SAMR-Modells von Ruben C. Puentedura beschreiben. Zierer (2017) hat dies entsprechend zusammengefasst und beschreibt die einzelnen Stufen wie folgt:

  1. Substitution (Ersetzung): Technik ersetzt bisherige Arbeitsmittel, ohne deren Funktion zu ändern
  2. Augmentation (Erweiterung): Technik ersetzt bisherige Arbeitsmittel und verbessert deren Funktion
  3. Modification (Änderung): Technik ermöglicht eine beachtliche Neugestaltung von Aufgaben
  4. Redefinition (Neubelegung): Technik ermöglicht die Erstellung neuartiger Aufgaben, die bisher unvorstellbar waren

Aktuelle Blended Learning Konzepte und e-Learning Angebote bis hin zu virtuellen Lernwelten geben einen ersten Ausblick wie digital Bildung in Zukunft sein wird. Die Transformation ist in vollem Gange und so wird es auch hier nicht lange dauern, bis ein flächendeckender Einsatz der neuen Lernmedien in unser Leben Einzug hält.

 

Quellen:

Arnold, R. (2013). Systemische Erwachsenenbildung. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH.

Graf, N.; Gramß, D. & Edelkraut, F. (2017). Agiles Lernen. Freiburg: Haufe Lexware GmbH & Co. KG

Zierer, K. (2017). Lernen 4.0 – Pädagogik vor Technik. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH.