Die Wahl des richtigen Vorgehens zur Leitung von Projekten hängt heute massgeblich von der Art der Projektaufgabe ab. Eine zentrale Orientierungsfrage lautet: Sind die Aufgaben im Projekt gut planbar und vorhersehbar? Hier eignet sich ein klassisches Vorgehen. Sind sie hingegen unklar, dynamisch und schwer greifbar, ist ein flexibles, agiles Vorgehen empfehlenswert.
Orientierung schaffen mit dem Cynefin-Modell
Zur Einordnung von Aufgaben kann das Cynefin-Modell herangezogen werden. Das Modell unterscheidet zwischen einfachen, komplizierten, komplexen und chaotischen Systemen. In komplizierten Systemen sind klare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge vorhanden, jedoch oft nur durch Expertinnen und Experten erschliessbar. In komplexen Systemen hingegen werden Zusammenhänge oft erst im Nachhinein sichtbar. Hier braucht es Menschen mit Offenheit, Experimentierfreude und der Bereitschaft, unterschiedliche Lösungswege auszuprobieren.
Ein anschauliches Beispiel fĂĽr ein komplexes System ist ein Fussballspiel: Der Rahmen, bestehend aus klar definierten Regeln und einem festen Spielfeld ist gegeben. Doch bereits kurz nach dem Anpfiff entwickelt sich ein dynamisches, kaum vorhersehbares Spielgeschehen. Diese Mischung aus Struktur und Unvorhersehbarkeit findet sich auch in vielen Projekten wieder.
Projekte fĂĽhren in einer vernetzten und dynamischen Arbeitswelt
Die heutige Arbeitswelt wird von Willms Buhse, mit dem Akronym VOPA+ beschrieben: Vernetzt, Offen, Partizipativ und Agil (häufig ergänzt um ein «+» für Aspekte wie Vertrauen oder Verantwortung).
Projekte finden nicht mehr isoliert statt, sondern in einem stark vernetzten Umfeld. Offenheit für neue Ideen und Perspektiven ist ebenso gefragt wie die aktive Einbindung von Mitarbeitenden. Agilität beschreibt dabei die Fähigkeit, flexibel und anpassungsfähig auf Veränderungen zu reagieren.
Fähigkeit zur Kombination von klassisch und agilen Werkzeugen
Daraus ergibt sich, dass es heute zum Handwerkszeug von Projektleitenden gehört, klassische und agile Methoden zu kombinieren, etwa im Sinne eines hybriden Ansatzes wie der Water-Scrum-Fall-Methode. Gefragt sind Projektleitende, die beide Vorgehensweisen beherrschen und situativ anwenden können.
Weiter braucht es die Fähigkeit, einen klaren Rahmen zu schaffen, in dem produktiv gearbeitet werden kann, ohne dabei den «roten Faden» im Projekt aus den Augen zu verlieren. Eine reflektierte Haltung, Rollenbewusstsein und Flexibilität sind dabei entscheidend. Moderne Projektleitende bringen zudem Kompetenzen aus dem Change Management, der Mitarbeitendenführung sowie der Entwicklung einer tragfähigen Unternehmenskultur mit.
Projektleitende haben Vorbildrolle
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist das Vorleben dieser Haltung: Es geht weniger darum, alles zu kontrollieren oder stets die beste Lösung zu kennen, sondern vielmehr darum, Vertrauen zu schaffen und eine positive Grundhaltung zu vermitteln. Ebenso sind Mitarbeitende gefragt, die den Mut haben, Themen anzusprechen, neugierig neue Wege zu gehen und Offenheit für Prozesse mitbringen.
Projektleitende entwickeln sich dabei zunehmend zu Prozessbegleitende und Coaches. Sie fördern ihr Team, bündeln Wissen, durchbrechen bestehende Gewohnheiten und schaffen Raum für Entwicklung. In diesem Zusammenspiel entsteht die Grundlage für erfolgreiche Projekte in einer zunehmend komplexen und dynamischen Arbeitswelt.
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