Swissmem Academy Gezielter Einsatz von KI in der Weiterbildung

Gezielter Einsatz von KI in der Weiterbildung

Künstliche Intelligenz ist in der Tech-Industrie längst Realität. Doch welchen konkreten Mehrwert bietet sie in der Weiterbildung? In der Swissmem Academy setzen wir KI gezielt dort ein, wo sie Praxisnähe, Reflexion und Transfer stärkt. Ob als Trainingspartner für anspruchsvolle Gesprächssituationen, als Sparringspartner in Lean Six Sigma Projekten oder bei der Anpassung der Aufgabenstellung von Lernportfolios. Erfahren Sie, wie wir KI praxisnah einsetzen und wo ihre Grenzen liegen

Künstliche Intelligenz ist für viele Fach- und Führungspersonen in der Tech-Industrie längst Teil des Arbeitsalltags. Sei es bei der Datenanalyse, in der Produktentwicklung oder in der Prozessoptimierung. Auch wir in der Swissmem Academy setzen uns aktiv mit der neuen Technologie auseinander. 

Dabei steht für uns die Praxisorientierung klar im Zentrum. Unsere Weiterbildungen sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern sich an realen Problemstellungen orientieren und einen konkreten Transfer in den Betrieb ermöglichen. Vor diesem Hintergrund beschäftigen wir uns mit der Frage, wie KI dazu beitragen kann, reale Situationen noch gezielter zu trainieren und Lernprozesse wirksamer zu gestalten.

Die Integration von künstlicher Intelligenz erfolgt nicht, weil es modern ist, sondern dort, wo es einen Mehrwert schafft, Transfer unterstützt, Reflexion vertieft und Übungssituationen ergänzt. 

Im Folgenden zeigen wir anhand von drei Beispielen, wie wir künstliche Intelligenz in unseren Angeboten einsetzen.

KI als Trainingspartner in Kommunikationssituationen

Ein erstes Beispiel dafür ist der Einsatz von KI als Trainingspartner in Kommunikationssituationen im Lehrgang Berufsbildner/in in Lehrbetrieben. Kommunikation gehört zu den anspruchsvollsten Kompetenzen im Ausbildungsalltag. Schwierige Gespräche mit Lernenden oder anspruchsvolle Feedbacksituationen lassen sich nur begrenzt theoretisch vermitteln und müssen geübt werden.

Hier unterstützt eine KI-gestützte Simulation das Training in Echtzeit. Unterschiedliche Personas und Cases ermöglichen es, typische und herausfordernde Gesprächssituationen zu durchlaufen. Die Gespräche basieren auf definierten Kommunikationsmodellen und Methoden aus dem Unterricht. Die Teilnehmenden erhalten unmittelbar Rückmeldungen und können Varianten ausprobieren, ohne reale Konsequenzen befürchten zu müssen. Dadurch sinkt die Hemmschwelle, die Übungszeit erhöht sich und die individuelle Vorbereitung auf reale Gespräche wird gezielter.

Der Einsatz dieses Tools befindet sich derzeit einer Testphase, in der wir Erfahrungen sammeln und den Mehrwert evaluieren. Gleichzeitig hat die Simulation ihre Grenzen. Sie kann keine echte Eskalation simulieren, sie ist abhängig von ihrer Kommunikationslogik und kann komplexe Dynamiken nur bedingt abbilden. Deshalb zeigt sich bereits heute, dass das Tool kein reales Training mit Menschen ersetzt, sondern dass es eine wertvolle Übungs-Ergänzung darstellt.

KI-Agent als Sparringspartner für Projekt- und Prozessarbeit

Ein weiteres Anwendungsfeld zeigt sich in unseren Lean Six Sigma Green Belt und Black Belt Lehrgängen mittels eines KI-Agenten. In diesen Lehrgängen arbeiten die Teilnehmenden an konkreten Projekten aus ihrem eigenen Unternehmenskontext. Der Einsatz des KI-Agents erfolgt dabei auf freiwilliger Basis. Die Teilnehmenden entscheiden selbst, ob und in welchem Umfang sie das Tool als zusätzliche Unterstützung in ihrem Projekt nutzen möchten.

Der KI-Agent fungiert dabei als strukturierender Sparringspartner entlang der DMAIC-Methode. Er unterstützt bei der Problemdefinition, bei Analysen und bei der Vorbereitung von Entscheidungsgrundlagen. Gerade in frühen Projektphasen hilft dies, Fragestellungen zu schärfen und Hypothesen systematisch zu überprüfen. Die Effizienz steigt, da Analysen schneller strukturiert werden können und datenbasierte Überlegungen gezielter erfolgen.

Doch auch hier gilt, dass die Verantwortung bei den Fach- und Führungspersonen bleibt. Die KI setzt keine Massnahmen um und entscheidet nicht über Prioritäten. Ihre Qualität hängt stark von der Qualität und Vollständigkeit der eingegebenen Daten ab. Zudem dürfen ausschliesslich anonymisierte oder aggregierte Daten verwendet werden. Bei unklaren Datensätzen sind Fehlinterpretationen möglich. 

KI zur Überarbeitung von Aufgabenstellungen

Ein drittes Beispiel betrifft die Aufgabenstellung des Lernportfolios im Lehrgang Berufsbildner/in in Lehrbetrieben. Die Teilnehmenden dokumentieren ihren Lernprozess in einem strukturierten Portfolio mit Interviews, Praxisaufgaben, Lerntagebuch und konkreten Praxisbeispielen aus dem Betrieb.

Hier diente KI als Sparringspartner bei der Überarbeitung der Aufgabenstellung für Lernportfolios. Durch die Verwendung von KI wurden die Lernportfolios ausführlicher und die Sprachqualität der Teilnehmenden hat zugenommen. Dadurch wurde die Lernwirkung oft verfehlt und auch der Zeitaufwand in der Korrektur hat für den Bildungsmanager zugenommen. Mithilfe von ChatGPT wird nun die Aufgabenstellung für die Lernportfolios angepasst.  

Zunächst wurde ein Projekt mit einer methodisch didaktisch fundierten Projektbeschreibung anhand dem 4K-Modell erstellt. Anschliessend wurde die aktuelle Vorlage des Lernportfolios hochgeladen, um konkrete Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge zu erhalten. Dieser Prozess half dabei, die Aufgabenstellung klarer auf die eigentliche Lernwirkung auszurichten. 

Fazit

Der Einsatz von KI in der Weiterbildung verändert nicht primär die Antworten, sondern die Fragen. Gute Lernkonzepte gewinnen an Bedeutung, weil künstliche Intelligenz Schwächen in Aufgabenformaten oder Bewertungslogiken sichtbar macht. Überstrukturierte Aufgaben begünstigen reine Textproduktion. Praxisnahe Aufgaben hingegen fördern echte Kompetenzentwicklung.

KI ersetzt weder Denken noch Erfahrung. Lernen entsteht durch Handeln, durch das Anwenden im eigenen Kontext und durch Reflexion. Wenn KI dazu beiträgt, diese Prozesse zu strukturieren, zu vertiefen und effizienter zu gestalten, entfaltet sie ihren Mehrwert.

Für uns bedeutet dies, den Fokus weiterhin auf die Veränderungen im Handeln, auf den Transfer in das Unternehmen und auf die Fähigkeit zur Reflexion zu legen. Wir beachten die Tools mit KI deshalb als Impulsgeber für die Weiterentwicklung unserer Angebote, um weiterhin konsequent nahe an den Bedürfnissen der Fach- und Führungspersonen der Tech-Industrie ausgerichtet zu sein.

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Letzte Aktualisierung: 04.03.2026