Swissmem Academy Warum Handlungskompetenzen in der Weiterbildung an Bedeutung gewinnen

Warum Handlungskompetenzen in der Weiterbildung an Bedeutung gewinnen

Kritisches Denken und Problemlösen, Kreativität, Kommunikation und Kooperation gewinnen in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. Doch die Förderung der sogenannten 4K-Kompetenzen bedeutet aus Sicht der Swissmem Academy mehr als klassische Gruppenarbeiten oder reinen Erfahrungsaustausch. Im Fokus stehen Lernsettings, die Teilnehmende aktiv in Handlung führen, komplexe Fragestellungen aus der Praxis aufgreifen und gemeinsames Problemlösen fördern. Der Artikel zeigt, weshalb sich die Swissmem Academy mit dem Thema auseinandersetzt, wie sie die 4K-Kompetenzen in der Weiterbildung verstehen und wie sich Unterricht und Lernformate dadurch weiterentwickeln.

Laut dem «Future of Jobs Report 2025» des World Economic Forum gewinnen neben technologischen Fähigkeiten insbesondere analytisches Denken, kreative Problemlösung, Resilienz sowie soziale und kommunikative Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. Der Bericht zeigt, dass Unternehmen und Mitarbeitende verstärkt mit komplexen, dynamischen und interdisziplinären Anforderungen konfrontiert sind.

Dies zeigt sich auch im Berufsalltag in der Tech-Industrie. Fach- und Führungspersonen müssen heute mehr als Fachwissen mitbringen. Nicht-routinemässige Aufgaben nehmen zu und analytisches Denken, das Bewerten von Informationen, interdisziplinäre Zusammenarbeit, das verständliche Kommunizieren komplexer Inhalte sowie der Umgang mit neuen Fragestellungen gehören zunehmend zum Alltag.

Auch die Berufsbildung verändert sich. Mit FUTUREMEM werden die acht technischen MEM-Berufe stärker kompetenz- und handlungsorientiert ausgerichtet. Statt reiner Wissensvermittlung stehen heute die Anwendung von Wissen, das Lösen von Problemen sowie selbstständiges und reflektiertes Lernen im Zentrum. Praxisnahe, interaktive und anwendungsbezogene Lernformen gewinnen dadurch an Bedeutung. Diese Entwicklungen prägen auch die Erwartungen an die Weiterbildung. Zukünftige Teilnehmende bringen bereits Erfahrungen aus kompetenz- und handlungsorientierten Lernsettings mit und erwarten entsprechende Lernformate auch in der Weiterbildung.

All dies zeigt, weshalb es Fähigkeiten wie kritisches Denken und Problemlösen, Kreativität, Kommunikation und Kooperation braucht und die sogenannten 4K-Kompetenzen stark an Bedeutung gewinnen. 

Die Swissmem Academy setzt sich deshalb seit mehr als zwei Jahren intensiv mit den 4K-Kompetenzen auseinander. Ziel ist es, die Angebote so weiterzuentwickeln, dass sie den aktuellen und zukĂĽnftigen Anforderungen der Industrie gerecht werden. 

Was versteht die Swissmem Academy unter den 4K?

Die Grundlage für die Entwicklung der 4K-Kompetenzen ist fundiertes Fachwissen. Sie bildet die Basis, auf der komplexe Fähigkeiten und Fertigkeiten aufgebaut werden können. Darüber hinaus kann nicht mehr ausschliesslich in einzelnen, getrennten Fächern gedacht werden. Vielmehr braucht es ein vernetztes und übergreifendes Denken sowie die Fähigkeit, Wissen aus verschiedenen Disziplinen zu kombinieren und auf komplexe Fragestellungen anzuwenden.

Kommunikation
Die Fähigkeit, Qualität der Information und Vertrauenswürdigkeit der Quelle rasch zu analysieren, eigene Gedanken klar und präzise auszudrücken, Informationen verständlich zu vermitteln, aktiv zuzuhören, Meinungen zu vertreten und mit dem eigenen Auftritt zu überzeugen.

Kooperation
Die Fähigkeit, effektiv in interdisziplinären Teams zusammenzuarbeiten, um qualitativ hochstehende Ergebnisse zu erzielen, denn je mehr sich die Industrie digitalisiert und vernetzt, umso mehr Schnittstellen ergeben sich.

Kreativität
Die Fähigkeit, originelle Ideen zu entwickeln, innovative Lösungsansätze zu finden und Denkblockaden zu überwinden. Dazu braucht es eine «try and learn»-Kultur, die produktive Fehler im Sinne der Weiterentwicklung und Verbesserung fördert.

Kritisches Denken und Problemlösen
Die Fähigkeit, vernetzt zu denken, komplexe Fragestellungen zu analysieren und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, Argumente abzuwägen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig sollen Lösungsvorschläge entwickelt werden, denn nur kritisch zu denken, wäre kontraproduktiv. 


Im Training der Swissmem Academy zeigen sich die 4K-Kompetenzen durch Lernsettings und Methoden, die über klassische Gruppenarbeiten oder reinen Erfahrungsaustausch hinausgehen. Teilnehmende werden aktiv in Handlung geführt, bearbeiten komplexe Fragestellungen aus der Praxis, übernehmen unterschiedliche Rollen und entwickeln gemeinsam Lösungen für Situationen, die keine eindeutige Antwort haben. So geht es beispielsweise nicht nur darum, eigene Erfahrungen einzubringen, sondern sich bewusst in unterschiedliche Perspektiven hineinzuversetzen und gemeinsam ein komplexes, teilweise fast unlösbares Problem zu bearbeiten. Dadurch werden kritisches Denken, Zusammenarbeit, Perspektivenwechsel und Problemlösung gezielt gefördert. Im Fokus steht dabei nicht das Ergebnis, sondern insbesondere die Frage, was dies für die eigene Praxis bedeutet und wie konkrete Veränderungen umgesetzt werden können.

Die Rolle der Trainerinnen und Trainer verändert sich

Mit dem Fokus auf Handlungskompetenzen verändert sich auch die Rolle der Trainerinnen und Trainer. Sie verstehen sich nicht nur als Wissensvermittelnde, sondern übernehmen die folgenden vier unterschiedlichen Rollen im Lernprozess.

Als Expertinnen und Experten bringen sie fundiertes Fachwissen sowie methodische Kompetenzen ein und vermitteln Inhalte, Zusammenhänge und Lösungsansätze. 

Als Begleiterin und Begleiter unterstützen sie die Teilnehmenden im Lernprozess durch gezielte Fragestellungen und Reflexionsimpulse. Dabei fördern sie eigenständiges Lernen sowie Selbstverantwortung.

Darüber hinaus übernehmen Trainerinnen und Trainer auch eine moderierende und unterstützende Funktion. In der Rolle als Anwalt oder Anwältin stärken sie bewusst die Position einzelner Teilnehmenden oder Gruppen, unterstützen zurückhaltende Personen und greifen ein, wenn vereinbarte Rahmenbedingungen oder Regeln nicht eingehalten werden.

Gleichzeitig bleiben Trainerinnen und Trainer auch Beurteilende. Sie bewerten Leistungen und Lernfortschritte sachlich, nachvollziehbar und anhand transparenter Kriterien. Im Zentrum stehen dabei eine faire und vergleichbare Beurteilung fachlicher und methodischer Kompetenzen.
Dadurch entstehen Lernsettings, die noch stärker auf Austausch, Eigenverantwortung und praktische Anwendung ausgerichtet sind.

Wo steht die Swissmem Academy heute?

Die Auseinandersetzung mit den 4K-Kompetenzen ist für die Swissmem Academy eine kontinuierliche Entwicklung. Im vergangenen Herbst fand dazu ein Workshop mit den Trainerinnen und Trainern statt. Gemeinsam wurde diskutiert, wie Unterricht und Lernformate weiterentwickelt werden können und wie die 4K-Kompetenzen künftig noch stärker gefördert werden sollen.
Aktuell erfolgt die Weiterentwicklung bewusst in kleinen Schritten und in enger Zusammenarbeit mit den Trainerinnen und Trainern. Gemeinsam werden neue Ansätze ausprobiert, reflektiert und weiterentwickelt. Dabei steht nicht ein radikaler Umbruch im Vordergrund, sondern die kontinuierliche Implementierung der 4K-Ansätze in die bestehenden Angebote, um diese weiterhin praxisnah und relevant fĂĽr die Anforderungen des industriellen Alltags zu gestalten. 

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Letzte Aktualisierung: 03.06.2026